Mein Alltag in der Corona-Zeit

Hilft dir der Glaube in der momentanen Situation?

Wie geht es dir? Welche Erfahrungen verbindest du mit der jetzigen Zeit? Hilft dir der Glaube in der momentanen Situation? Diese Fragen stellen wir in den nächsten Wochen Freiwilligen, Mitarbeitenden und Pfarreimitgliedern. Herzlichen Dank für eure Bereitschaft!

 

Rosemarie Bruggmann: Präsidentin St. Gallus-Chor

Es war eine einschneidende Erfahrung, als im März plötzlich keine Chorproben mehr stattfinden konnten. Schon bald wurde klar, dass der so genannte Lockdown länger andauern würde und wir die Missa in G von Franz Schubert, die wir mit einem grossen Chor mit vielen Gastsängern am Einüben waren, weder an Ostern bei uns noch an Pfingsten in Riesbach aufführen würden. Den unterbrochenen Kontakt mit den Sängerinnen und Sängern pflegte ich von Zeit zu Zeit per E-Mail. Nicht singen zu können war ein grosser Verlust für uns alle und wurde mit Bedauern zur Kenntnis genommen.
Für mich persönlich gab es in diesen Wochen auch viele positive Erfahrungen. Die Tage, so ganz frei von externen Terminen, waren wohltuend gemütlich. Und dann war da dieses wundervolle Wetter. Der Frühling zeigte sich von seiner schönsten Seite. Das Eintauchen in das frische Grün des Waldes und die Arbeit im Garten entschädigten mich für die vermissten Kontakte, vor allem mit unsern Enkelkindern.
Nun ist mit den Lockerungsmassnahmen die «neue Normalität» eingekehrt. Unter diesen Bedingungen verantwortungsvolle Entscheide zu fällen, empfinde ich als grosse Herausforderung.

  

Hans Weber: Präsident Pfarreirat

Dass plötzlich die ganze Welt vor der gleichen Herausforderung steht, obwohl wir so verschieden sind mit unseren Befindlichkeiten, mit unseren Bedürfnissen, Erwartungen, Einstellungen. Die ganze Welt ist verletzlich geworden, ohne Kulturen, Religionen oder gesellschaftliche Stellungen zu beachten. Führt solches die Menschen zusammen oder kommt es zum Überlebenskampf?
Ich habe tolle Beispiele von Hilfsbereitschaft, Solidarität und Rücksichtnahme erlebt. Diese Reaktionen haben Antrieb und Hoffnung verliehen und ich bin dankbar für all die guten Ideen und Einsätze, die trotz den widerlichen Umständen unbeirrt geleistet wurden.
Vermisst habe ich die Nähe mit den Familienangehörigen, das Zärtlich sein, das Fühlen und Lieben, der körperliche Ausdruck unserer Emotionen und die Gesten des Vertrauens.
Und die Gottesdienste vor dem Fernseher oder Computer? Da fühlte ich mich als Zuschauer. Es fehlten die Beziehungen zu den Menschen und zu Gott. Ich konnte beten, aber das Gefühl von Aufgehoben sein, Mitgetragen, Geliebt sein, das wollte nicht so recht aufkommen.
Nun bin ich dankbar, dass wieder Nähe und Geborgenheit möglich wird und ich wünsche allen physisches und seelisches Wohlbefinden für die Zeit «Nach Corona» .

 

Angela Bühler: Mami, Grossmami, Präsidentin Stiftung Alterswohnungen Probstei, Aktuarin Pfarrkirchenstiftung

Mein Alltag hat sich nicht gross verändert mit einer Ausnahme: Wir planten, am 20. März 2020 unseren Sohn mit Familie (4 Enkel) in Singapur zu besuchen. Dies war leider nicht möglich.
Mein Gatte und ich versuchten, aus dieser aussergewöhnlichen Situation das Beste zu machen. Da ich als Präsidentin einer Stiftung mit der Vermietung beauftragt bin, fielen die üblichen Aufgaben an. Daneben strukturierten wir unseren Alltag jeden Tag aufs Neue und versuchten, die ausserordentliche Lage möglichst gut zu meistern. Ich telefonierte mehr als sonst mit alleinstehenden Menschen in Heimen und Spitälern, Verwandten und Freunden. Die Verhaltensregeln des Bundes versuchte ich konsequent einzuhalten.
Der Lockdown zwang mich, die Prioritäten meines persönlichen Lebens zu hinterfragen und mich intensiver als üblich mit unserer Vergänglichkeit zu befassen. Am meisten fehlte mir der persönliche Kontakt zur Familie und zu den beiden Grosskindern, die wir regelmässig hüten. Da sie an der gleichen Strasse wohnen, haben wir sie trotzdem gesehen, sei es im Wald, auf dem Spielplatz oder unter unserem Balkon.

 

Marianne Schoder: Pensionärin, Pfarreirätin

Ein aggressives Virus, das eine Pandemie auslöst, ist im ersten Moment unvorstellbar. Nachdem man mir als Pensionierte sehr dezidiert befohlen hatte, zu Hause zu bleiben, wurde mir der Ernst der Lage so richtig bewusst. Die plötzlich von allem befreiten Tage genoss ich am Anfang sehr: Mal nichts tun zu müssen, einfach in den Tag hinein zu leben. Da liegen Bücher zum Lesen bereit, Hobbys werden aufgefrischt. Bei allen guten Gefühlen wurde mir aber bewusst, wie sehr ich dadurch eingeschränkt bin. Plötzlich bin ich als Seniorin abhängig von unter Umständen fremden Menschen, seien sie auch noch so lieb und zuvorkommend. Als bereichernd und aufbauend erlebe ich die Gelegenheit, Gottesdienste digital mitzuerleben, die uns Halt und Kraft geben. Das Bewusstsein, bald wieder mit Familie und Freunden zu Hause und in der Kirche zusammen sein zu können, gibt mir Zuversicht und Gelassenheit, warten zu können. Wichtig ist, dass wir jetzt zusammenstehen.

 

Werner Spörri: Rentner

Geprägt als Kind von der Angst und dem Schrecken des 2. Weltkrieges durfte ich im weiteren Verlauf meines Lebens grosse Erfüllung in Familie und Beruf erleben. Dies empfand ich nicht einfach als mein Verdienst, sondern als Geschenk – als Gnade Gottes. In diesen Wochen der Corona-Prägung kommen mir die letzten acht Jahre in den Sinn, als ich mit Hilfe von dienstbereiten Menschen meine pflegebedürftige Frau daheim haben durfte, bis sie im Herbst 2018 im Frieden zu Gott heimgehen konnte. Der damit verbundene neue Lebensabschnitt des Alleinseins in der Wohnung fällt mir gerade in diesen Wochen der Quarantäne noch viel schwerer als sonst, trotz eines prächtigen Gartens mit vielen blühenden Blumen. Am Abend kommt nicht Angst vor dem Dunkel auf, sondern Schwermut vor dem Alleinsein. Ein Lichtblick in dieser Schwere war jeweils der Gottesdienst am Mittwochmorgen in der Krypta mit dem anschliessenden Zusammensein bei Kaffee und Gesprächen. Das fehlt mir zurzeit sehr! Voller Zuversicht hoffe ich, dass die Kirchenglocken bald wieder zur Mittwochmesse läuten.

 

Felix Sutter: Organist

Trotz erfolgreicher Eindämmung der ersten Welle des Corona-Virus sind die Perspektiven ungewiss und die Situation zwingt uns, vieles aus neuem Blickwinkel zu betrachten, manche Dinge anders anzugehen. Auch unsere Pfarrei hat sich angepasst und bietet aktuell über die Homepage Online-Gottesdienste mit einer Länge von einer halben Stunde an. Eigentlich ist das ja ganz praktisch, wenn man jederzeit, wann immer man möchte, einen Gottesdienst in der vertrauten Kirche von zu Hause aus mitfeiern kann. Für mich als Organist bedeutet dies, neben Ton- auch Filmaufnahmen zu erstellen und dabei Musik und Bild miteinander zu verbinden. Ich empfinde es als bereichernd, im Team neue und manchmal überraschende Perspektiven zu erkunden. Ich hoffe, dass diese Gottesdienste Ihnen und allen Interessierten in dieser schwierigen Zeit Kraft spenden mögen.

 

Claudia Schneider: Mami, Katechetin

Von einem Tag auf den anderen wurde das soziale Leben eingeschränkt. Was vorher normal und alltäglich war, darf man plötzlich nicht mehr. Die Gefahr, unwissentlich einen tückischen Virus weiterzugeben, ist allgegenwertig. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das so belasten würde.
Ich vermisse den Kontakt zu den Kindern und den Familien enorm. Besonders die Tatsache, dass wir die Erstkommunion verschieben mussten, bedaure ich sehr. Ich denke nicht nur an das verschobene Fest, sondern auch an die Familienangehörigen, die aus verschiedenen Heimatländern in die Schweiz gekommen wären, um ihre Liebsten zu sehen.
Die neuen Medien ermöglichen uns zum Glück, dass wir auf anderem Weg miteinander in Verbindung bleiben. Teamsitzungen mittels Videocall, Osterbotschaften per Whatsapp, motivierende Gedanken im Familien- und Gruppen-Chat. Das lässt mich darauf vertrauen, dass wir diese aussergewöhnliche Zeit überstehen werden.

 

Andrea Eggenberger: Mami, Berufsfrau und Freiwillige in der Erstkommunionbegleitgruppe.

Plötzlich aus dem Alltag, der Routine gerissen. In einen Strudel geworfen der uns mächtig durchrüttelt. Schule zu Hause, die Geschwister die einzigen Spielgefährten, die Hobbies gestrichen, keine Freunde mehr treffen. Was macht das mit uns als Mensch, als Familie? Die letzten Wochen waren eine ständige Achterbahnfahrt. Streit & Versöhnung wechselten sich ab. Was immer da war ist der Glaube! Dass es wieder gut kommt und wir gestärkt daraus hervor gehen. Gelernt haben den Blickwinkel auf manches zu ändern. Zu spüren, was uns wirklich wichtig ist. Glaube ist da, wo wir sind als Familie, als Freunde. Im Herzen sind wir immer verbunden und geben uns Halt und Kraft, diese Zeit durchzustehen.

 

Christiana Freira Falcato: In Ausbildung zur Primarlehrerin, Freiwillige in Firmteam und Erstkommunionbegleitgruppe.

Als ich das erste Mal vom Virus las, habe ich mir nicht viel dabei gedacht. Das ist ein normales Virus, das schnell wieder verschwinden wird, bevor es grössere Schäden anrichten kann, oder? Leider wurde ich eines Besseren belehrt. Plötzlich tauchte der erste Covid-19-Fall in der Schweiz auf, und unser Leben wurde in wenigen Wochen auf den Kopf gestellt. Meine Hochschule schloss die Türen bis im Sommer, die Termine in der Kirche St. Gallus wurden alle abgesagt und ich stand plötzlich mit einer leeren Agenda da. Während einem Jahr habe ich sowohl die Erstkommunionfamilien wie auch die Firmand*innen auf ihrem Glaubensweg begleitet. Von einem Tag auf den anderen standen wir alle ohne das grosse Fest da und wissen nicht wann und in welcher Form dieses stattfinden wird. Für eine Person wie mich stellt die Kirche eine wichtige Anlaufstelle dar, auf die ich jetzt nicht zugreifen kann. Ich hoffe, wir können uns bald wieder in der Kirche treffen, um gemeinsam zu beten.

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